[Anzeige] Innovationscluster in der Provinz …oder warum Nachteile mitunter zum Vorteil gereichen! Gastbeitrag von Jan Kammerl, Geschäftsbereichsleiter Wirtschaftsservice der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH

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Autor Jan Kammerl kennt den Standort und sensibilisiert in der Region für branchenübergreifende Netzwerkarbeit. (Foto: Foto/Photo: Studio2Media)
01.08.2019 | Redaktion Autoland

Spätestens seit März 2019, als bekannt gegeben wurde, dass drei der insgesamt 20 geförderten WIR!-Projekte im Erzgebirge beheimatet sind, ist klar, dass die Mittelgebirgsregion mit 15.500 Unternehmen Potenziale abseits der Weihnachtsromantik in sich birgt. WIR! steht für „Wandel durch Innovation in der Region“ und ist das erste Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung der neuartigen Förderung „Innovation und Strukturwandel“. Der Auf- und Ausbau von Forschungskooperationen zwischen Hochschulen und Instituten mit kleineren Unternehmen soll dabei intensiviert werden. Doch wie gelingt das Zusammenspiel zwischen kleineren Unternehmen in der Peripherie und städtischen Forschungsstandorten?

Aus Sicht der Wirtschaftsförderung einer dicht besiedelten Industrieregion im ländlichen Raum braucht es Netzwerker und Initiatoren, die sich am Standort auskennen und wissen, an welchen interdisziplinären Arbeitsaufgaben und Produktlösungen ansässige Unternehmen arbeiten, um daraus Ansätze für neue Innovationsfelder zu abstrahieren. Die Verkettung mit Hochschulen und Instituten erfolgt im Erzgebirge durch Transfernetzwerke der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH sehr strategisch, da hier über Jahre Know-how und viele Kontakte aufgebaut wurden. Beispielsweise mit Saxony5, einem Verbund der fünf sächsischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaft, bei dem die Wirtschaftsförderung als Bindeglied zum Mittelstand agiert.

Die Regionalkonferenz des Regionalmanagements Erzgebirge im März 2019 brachte mehr als 250 Vertreter aus Wirtschaft und Politik zusammen, um über das Innovationspotenzial des Standortes zu diskutieren. Das Grußwort hielt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer.
Die Regionalkonferenz des Regionalmanagements Erzgebirge im März 2019 brachte mehr als 250 Vertreter aus Wirtschaft und Politik zusammen, um über das Innovationspotenzial des Standortes zu diskutieren. Das Grußwort hielt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. (Foto: Studio2Media)

Die Besonderheiten des Wirtschaftsstandortes Erzgebirge liegen in dessen Kleingliedrigkeit, in der Branchenheterogenität und gleichsam in der handwerklichen Präzision. Doch entgegen vieler Klischees ist das Erzge­birge eine ausgesprochene Industrieregion, die von kleinen inhabergeführten Unterneh­men geprägt wird. Hinter den klassischen Strukturen verbergen sich jedoch Synergiepotenziale, die im Detailwissen und dem Fertigungs-Know-how der Unternehmen und in deren industriellen Anwendungen liegen. Eben diese gilt es mit neuen Technologien zu verknüpfen und eine gemeinsame Innovationskultur als Region aufzubauen. Genau deshalb ist das WIR!-Programm für den Standort von großer Bedeutung, da es Chancen für die intensivere Zusammenarbeit auf allen Ebenen bereithält. Als regionale Wirtschaftsförderung suchen wir deshalb immer wieder Impulse und Anregungen von außen, die für die einheimischen Unternehmen Entwicklungsansätze bieten.

Elektronik-Innovationen aus dem Erzgebirge kommen vom Leiterplattenspezialisten KSG Gornsdorf.
Elektronik-Innovationen aus dem Erzgebirge kommen vom Leiterplattenspezialisten KSG Gornsdorf. (Foto: KSG)

Werkstoffspezialisten und Elektronikhersteller sitzen im Erzgebirge in unmittelbarer Nähe zu international gefragten Automobilzulieferern und Maschinenbauern. Unter­einander kennen sich die spezialisierten Firmen nur selten. Dies anzuerkennen und mit Standortwissen erfolgreich zu koordinieren ist das Ziel einer kooperativen regionalen Wirtschaftsstrategie, um eine Innovationskultur in der Region aufzubauen. Unsere Erfahrung zeigt, dass kleine Unternehmen in der Region schnell und flexibel in der Zusammenarbeit mit Forschungspartnern agieren und Input dankbar aufgreifen, wie es u. a. das sächsische Innovationscluster für Brennstoffzellen und Wasserstoff HZwo aktuell eindrucksvoll belegt. Unter all diesen Voraussetzungen ist es im Wirtschaftsstandort Erzgebirge gelungen, drei Ideen zu tragfähigen WIR!-Vorhaben auszubauen: Vom Forschungscampus für autonomes Zugfahren (Smart Rail Connectivity-Campus), über die nachhaltige Erschließung und Wiederaufbereitung disperser Rohstoffquellen (recomine) bis hin zum Netzwerk für digital funktionalisierbare Faserverbundbauteile (Smart composites ERZgebirge) werden Potenziale für Wertschöpfung im Erzgebirge durch die WIR!-Projekte neu gedacht.

Innovation hat im Erzgebirge Tradition und das wird verstärkt Fachkräften bewusst, die in die Region zurückkehren oder neu hinzukommen. Vielfältige Lebensentwürfe kommen hier zunehmend mit anspruchsvollen beruflichen Herausforderungen zusammen, wodurch die Entscheidung für den ländlichen Raum zur bewussten Wahl wird.

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