Hybride Sandwiches, leichte Räder und 3D-gedruckte Kleider

Das neuentwickelte Leichtbaumaterial „HyperComp“ steckt in diesem Autositz. Der Entwickler Olu-Preg Composite GmbH stellte die hybride Kombination aus Organoblechen und 3D-Abstandsgewirken erstmals in einem Demonstrator vor.
Das neuentwickelte Leichtbaumaterial „HyperComp“ steckt in diesem Autositz. Der Entwickler Olu-Preg Composite GmbH stellte die hybride Kombination aus Organoblechen und 3D-Abstandsgewirken erstmals in einem Demonstrator vor. (Foto: Messe Chemnitz/Kristin Schmidt)
04.06.2018 | Redaktion Autoland

Die Schlüsselrolle von Technischen Textilien und Leichtbau für zukünftige Produktinnovationen demonstrierten eindrucksvoll die 147 Aussteller des Messe-Duos mtex+ und LiMA am 29./30. Mai 2018 in der Messe Chemnitz. Eine innovative Verbindung von Textil und Leichtbau präsentierte die Olu-Preg Composite GmbH Oberlungwitz.

Der auf den ersten Blick unspektakuläre Autositz offenbarte echtes Leichtbau-Know-how. Die Sitzplatte besteht aus einem neuartigen hybriden Material – einem Sandwichaufbau aus zwei Organoblechen und einem dazwischen befindlichen Hightech-3D-Abstandsgewirke. Mit der Kombination wird Gewicht reduziert und gleichzeitig ein angenehmes Sitzen ermöglicht. „Wir haben diese Innovation ‚HyperComp‘ getauft und sehen darin ein großes Potenzial für die effiziente Großserienproduktion von vielfältig einsetzbaren Leichtbau-Strukturen, so in den verschiedenen Mobilitätsbereichen. Das große Interesse, das wir mit dem Produkt finden, gibt uns Recht“, berichtet Dr. Frank Helbig, Technischer Geschäftsführer von Olu-Preg. Für das junge Technologie-Joint-Venture aus den Partnern SKL Lichtenstein, SKM Moers, Pressless Flöha und Spiga Flöha komme es jetzt darauf an, serientaugliche Wertschöpfungsketten aufzubauen. „Das Chemnitzer Messe-Duo war eine gute Gelegenheit, diesen Prozess zu befördern“, so Dr. Helbig.

Textile Leichtbauanwendungen für Schienenfahrzeuge standen im Mittelpunkt des Messeauftritts von Hörmann Engineering und der DB Regio Netz.

Textile Leichtbauanwendungen für Schienenfahrzeuge standen im Mittelpunkt des Messeauftritts von Hörmann Engineering und der DB Regio Netz. (Foto: Messe Chemnitz/Kristin Schmidt)

Einen potenziellen Partner und Anwender fand Olu-Preg gleich an einem benachbarten Stand. Die Hörmann Engineering GmbH Chemnitz stellte gemeinsam mit der DB Regio Netz Potenziale für den textilen Leichtbau in Schienenfahrzeugen vor. „Der Einsatz alternativer umweltfreundlicher Antriebe führt zu einer Gewichtserhöhung und erfordert, dass Masse an anderen Stellen eingespart wird“, erläuterte Dr. Volkmar Vogel, Leiter Geschäftsentwicklung bei Hörmann Engineering. Das Ingenieurunternehmen demonstrierte an einem Zug mit realem Frontend und Türeinstieg sowie virtuellem Fahrwerk und Abteil Einsatzmöglichkeiten aktueller sowie zukünftiger Leichtbaumaterialien, -technologien und -produkte unter Verwendung von GFK, CFK, Basalt- und Bambusfasern. Die Besucher konnten auf diese Weise direkt zwischen bewährten und neuen Werkstoffen sowie deren Eigenschaften und Verarbeitungsmöglichkeiten vergleichen. Viele der vorgestellten Materialien, so Kombinationen mit Basalt- bzw. Bambusfasern oder Aluminiumschaum, sind Ergebnisse enger Kooperationen mit sächsischen Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer IWU, dem Cetex-Institut, der Professur Strukturleichtbau der TU Chemnitz, dem Sächsischen Textilforschungsinstitut STFI sowie dem Bundesexzellenzcluster MERGE, die mit ihren Kompetenzen ebenfalls auf mtex+ und LiMA vertreten waren. Ebenfalls vor Ort präsentierte sich die Leichtbau-Allianz Sachsen.

Die sächsische Leichtbau-Gründerszene stellte ihr Leistungsspektrum an dem vom Industrieverein Sachsen 1828 e. V. organisierten Stand „Industry meets startup“ vor. Leichtbau-Zweiradkonzepte, textile Speichen für Räder, innovative Snowboards oder den Einsatz von Holz im Maschinen- und Anlagenbau zeigten die TU-Chemnitz-Ausgründungen bowbike, Pi Rope, Silbaerg und LiGenium. Für Aufmerksamkeit sorgten ebenso Kleider mit 3D-Druck-Elementen von Studenten für Textildesign der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Die Verbindung von neuen Technologien und Kreativität ist das Element von Maik Jähne, der 3D-Druck-Technologie live vorführte. Der Wirtschaftsingenieur arbeitet im Makerspace im Bereich Kooperation und Netzwerke und berät zu 3D-Druck, digitaler Fertigung und neuen Technologien.

Die Nutzung neuer Technologien wie 3D-Druck, u. a. eingesetzt für Applikationen an Kleidern, stand im Mittelpunkt der „Industry meets startup“-Area, die federführend vom Industrieverein Sachsen 1828 e. V. gestaltet wurde.

Die Nutzung neuer Technologien wie 3D-Druck, u. a. eingesetzt für Applikationen an Kleidern, stand im Mittelpunkt der „Industry meets startup“-Area, die federführend vom Industrieverein Sachsen 1828 e. V. gestaltet wurde. (Foto: Messe Chemnitz/Kristin Schmidt)

Neuheiten zeigten auch mehrere tschechische Aussteller in Chemnitz, so z. B. die Firma VEBA mit textilen Leichtbaukomponenten und die TU Liberec mit innovativen Wundauflagen auf Nanobasis. Die Nachbarrepublik präsentierte ihre Kompetenzen bei Technischen Textilien und Leichtbau erneut mit einem umfangreichen Gemeinschaftsstand. „Wir schätzen an dieser regionalen Messe mit internationaler Beteiligung die angenehme Atmosphäre. Sie unterstützt sehr gut die Anbahnung und Pflege von Kontakten zwischen den beteiligten Unternehmen und Instituten. Die Teilnehmer unseres Standes kehren mit positiven Eindrücken nach Hause zurück“, betonte Jiri Cesal, Hauptgeschäftsführer des tschechischen Textilverbandes ATOK.

Neben Tschechien waren außerdem ausländische Aussteller aus Belgien, Frankreich, Österreich und der Schweiz in Chemnitz vertreten. Die rund 1000 Besucher kamen in erster Linie aus Deutschland und hier vor allem aus dem mitteldeutschen Raum. Darüber hinaus konnten ebenso Gäste aus dem Ausland begrüßt werden,  beispielsweise aus Bangladesch, Israel, Kirgisien, Österreich, der Schweiz, Tschechien und der Türkei. Sie interessierten sich neben Leichtbau-Innovationen für die Bereiche Mobilität, Bauwesen und Produktionstechnik ebenso für Neuheiten bei Gesundheits-, Schutz- und Hochleistungstextilien, die u. a. Zusatznutzen durch integrierte Elektronik und Sensorik bringen.

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